Neue Sicht auf die Anfangsphase der italienischen Front 1915. Teil 1



In der neuen Darstellung der „Italienfront 1915-1918“1) und in dem Artikel „Das Entstehen der Kärntner Front 1915“2) werden drei Behauptungen zum Entstehen der Front widerlegt:


1)    In der Anfangsphase nach dem italienischen Kriegseintritt verteidigten nur „Deutsche“ der Donaumonarchie die Front gegen die italienischen Angriffe.
    Die vielzitierten Standschützen bestanden zu rund 30% aus italienisch und ladinisch sprechenden Bewohnern Tirols und Vorarlbergs, die Kärntner Freiwilligen Schützen zu rund 20% aus Slowenen, die Freiwilligen Triests fast ausschließlich aus Italienern und Slowenen, die Truppen der Marine im südlichsten Teil der Karstfront hauptsächlich aus Italienern, Kroaten, Slowenen. Unter den „regulären“ Verbänden, die schon vor dem italienischen Kriegseintritt an der Front stationiert waren, befanden sich u.a. auch Bosniaken3). 
    Und am ersten Kriegstag – dem 24. Mai 1915 – trafen bereits die ersten Verbände des VII. Korps in Arnoldstein und Oberdrauburg zur Verstärkung der Kärntner Front ein. Und dieses Korps bestand zu über 90% aus Ungarn und Rumänen.


2)    Die wenigen Freiwilligen verteidigten sich gegen ein italienisches Millionenheer
    Der italienische Aufmarsch war bei weitem noch nicht abgeschlossen, die Artillerie meist noch weit zurück. Außerdem waren nicht alle italienischen Truppen an der Front überhaupt von der italienischen Kriegserklärung informiert, sodass am 24. Mai mehrfach die Österreicher die Kampfhandlungen eröffneten. 
    Vom ersten Kriegstag an veränderte sich rasch das Kräfteverhältnis auf 2:1 und damit ungenügend für Angriffe im Gebirge. 


3)    Österreich-Ungarn hatte eine durchgehende Front vorbereitet und ausgebaut. 
    Diese Behauptung wurde von italienischer Seite aufgestellt und wird bis heute dafür verwendet, die anfängliche Inaktivität der italienischen Führung zu verteidigen. Tatsächlich war in vielen Abschnitten – vor allem im Gebirge – bis Ende Mai nicht klar, wo eine Widerstandslinie verlaufen sollte; so etwa in den Karnischen und Sextener Alpen, rund um den Monte Piano und teilweise in den Dolomiten.

1) Peter Schubert: Italienfront 1915-1918. Berndorf 2026, Kral-Verlag
2) in KLM – Zeitschrift der Kärntner Landsmannschaft – September/Oktober 2026
3) Raimondo Domenig – Leopoldo Komac: Dalla parte dell’Impero. Diario di guerra di Raibl 1914-1917 (Malborghetto 2017)

 

Am 25. Abends und 27. Oktober ab 15.00 bin ich auf der Buch Wien und wir können darüber diskutieren. Natürlich signiere ich auch gerne eines meiner Bücher.

 

  

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